Kategorie: Strom (Seite 1 von 6)

Warum wir in den Verein „Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft e. V.“ eingetreten sind!

Hinter jedem Begriff verbirgt sich eine tiefere Bedeutung. So auch bei dem Begriff „Geschäftsobjekte für die Energiewirtschaft (BO4E)“?

Aber wie so oft im Leben, beschäftigt man sich mit einem Thema etwas eingehender, versteht man komplexe Sachverhalte nicht nur besser, sondern diese Stoffe werden in der Regel noch interessanter. So auch hier. Wir wollten es genau wissen, haben den Mann befragt, der es genau wissen muss. Peter Martin Schroer ist Vorstandsvorsitzender des Vereins, der am 7. Juli 2016 in Hückelhoven gegründet wurde. „Wohin geht die Reise?“ Seine Antwort: „Wir wollen nicht weniger als die Etablierung eines unabhängigen Kommunikationsstandards für die Energiewirtschaft.“

Endkundentarife aller deutschen Strom- und Gasanbieter in einem TÜV-zertifizierten Verfahren

Ein großes Anliegen, doch der der Geschäftsführer der ene’t GmbH sowie der Mut zum Wechseln GmbH weiß, wovon er spricht. So beschäftigt sich dieser in einer seiner Firmen professionell mit Netznutzungsdatenbanken für Strom und Gas. Sein Unternehmen versteht sich somit als Informationsdienstleister der Energiebranche. Dieses beschäftigt sich mit neben Deckungsbeitragsrechnungen auch mit Energiedatenmanagement. Konkret: Hier werden unter anderem Endkundentarife aller deutschen Strom- und Gasanbieter in einem TÜV-zertifizierten Verfahren erfasst. So kennt er von Berufs wegen Stromschnellen und Klippen, die den freien Informationsfluss hindern oder begrenzen können. Und genau da setzt der Verein „Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft“ an. Dieser fordert uneingeschränkten Datentransfer zwischen Applikationen ein. Die Vereinsmitglieder wünschen sich durch die neuen Programmierstandards mehr Flexibilität und Wirtschaftlichkeit bei der Nutzung von Softwareapplikationen. Dazu soll über die „Business Objects“ (BO) der Informationsfluss zwischen diesen Applikationen vereinheitlicht werden und damit reibungslos verlaufen – unabhängig, von welchem Hersteller sie stammen.

„Und was haben wir als Endverbraucher davon?“ Auch da ist Peter Martin Schroer um keine Antwort verlegen: „Standardisierte Geschäftsobjekte sollen letztlich zum Wohle der Verbraucher dazu beitragen, Prozesse bei den Versorgungsunternehmen möglichst effektiv zu verwirklichen und damit Kosten einzusparen“.

Diese Idee hat uns überzeugt, so sind wir von Mut zum Wechseln zum Gründungsmitglied geworden. Passt im Übrigen auch zu uns, denn wir haben die Power in Energiefragen.

Wärmepumpen: Cleveres Energiekostensparen

Wärmepumpenstrom ist in der Regel nicht nur günstiger als herkömmlicher Strom, der Betrieb einer Wärmepumpe ist auch wesentlich umweltschonender. Denn sie benötigen keinen Brennstoff, nur Strom für ihren Betrieb. Bei optimalen Voraussetzungen werden rund 75 Prozent der Energie für Heizung und Warmwasser aus der Umwelt bezogen. Der Rest kommt durch den Einsatz von Strom hinzu.

Wie funktioniert eine Wärmepumpe?

Die Funktionsweise einer Wärmepumpe ähnelt der eines Kühlschranks – nur mit umgekehrten Vorzeichen. Während bei einem Kühlschrank die Wärme von innen nach außen geleitet wird, führt eine Wärmepumpe die Wärme von außen über ein Heizsystem ins Haus. Dabei nötigt sie nur minimale Temperaturen, um effektiv arbeiten zu können.

Wärmepumpen können auf drei verschiedenen Wegen Wärme ihrer Umgebung entziehen und nutzen. Dabei machen sie sich die Energie aus der Umgebungsluft, aus dem Erdreich (in einer Tiefe von ungefähr einem Meter) oder aus dem Grundwasser zu Eigen. Bei diesem Prozess durchläuft Wasser, das mit Frostschutzmitteln versehen ist, eine der drei genannten Wärmequellen und erwärmt sich. In der eigentlichen Wärmepumpe trifft das Wasser auf einen Verdampfer und umgibt diesen. Der Verdampfer ist gefüllt mit einem Kältemittel, das nun die Wärme aufnimmt und deshalb verdampft. Das verdampfte Kältemittel wird von einem Verdichter zusätzlich unter Druck gesetzt, wobei es sich erhitzt. Daraufhin wird die Wärme im sogenannten Verflüssiger an das Wärmeverteil- und Speichersystem wieder abgegeben und kann so für die eigenen Räume genutzt werden. Das Kältemittel kondensiert bei diesem Vorgang und wird wieder flüssig. Es durchläuft anschließend noch eine Drossel, die den Druck weiter verringert und die Flüssigkeit wieder für den nächsten Wärmevorgang im Verdampfer bereit macht.

Wie sieht die Energieeffizienz aus?

Wärmepumpen gehören zu den erneuerbaren Energiequellen. Im Gegensatz zu Solar- oder Windkraftanlagen benötigen sie jedoch noch eine kleine Menge Strom. Daher wird bei den Wärmepumpen auf eine sogenannte „Jahresarbeitszahl“ geschaut. Diese ist ein wichtiger Hinweis auf die Umweltbilanz und die Effizienz. Bei der Jahresarbeitszahl wird die Heizwärmeabgabe der Anlage durch den benötigten Stromeinsatz berechnet. Das Ergebnis der denkbar einfachen Rechnung liegt meist zwischen 3,0 und 4,5. Dabei gilt: Je höher, desto besser. Luftwärmepumpen sind dabei oft weniger effektiv.

Brauche ich einen zweiten Stromzähler?

Da Wärmepumpen für ihren Betrieb Strom benötigen, kann der Besitzer darüber nachdenken, ob der Strom in einer gemeinsamen Messung mit dem sonstigen Haushaltstrom zusammen erfasst wird oder ob man sich einen weiteren Stromzähler anschafft. Dies wird vor allem dann finanziell interessant, wenn der Versorger einen Tarif speziell für Wärmepumpenstrom anbietet. Dabei gibt es zwei verschiedene Varianten: Eintarif- und Doppeltarifzähler (oder auch Zweitarifzähler).

Ein Eintarifzähler besitzt nur ein Zählwerk. Dabei wird der Strom zu einem einheitlichen Tarif bezogen. Bei einem Doppeltarifzähler gibt es zwei Zählwerke, die zwischen zwei verschiedenen Tarifen unterscheiden: dem Hochtarif (HT) und dem Niedrigtarif (NT). Die beiden Tarifarten werden zeitabhängig geliefert. Dabei wird der NT meist in der Nacht, eventuell auch an Sonn- und Feiertagen, geliefert. In der restlichen Zeit gilt der HT. Der HT orientiert sich meist an den normalen Stromtarifen. Der Arbeitspreis beim NT ist dagegen meist deutlich unter dem normalen Arbeitspreis. Einige Versorger bieten für Besitzer von Wärmepumpen spezielle Angebote.

Es gibt auch die Möglichkeit zwei Stromzähler aufzustellen, um eine getrennte Messung der Stromarten zu gewährleisten. Einer der beiden Stromzähler erfasst den normalen Haushaltsstrom, der andere den Strom für die Wärmepumpe. In den meisten Fällen wird eine getrennte Messung vom Energieversorger sogar vorgeschrieben, um die meist günstigeren Wärmepumpentarife beziehen zu können

Welche Förderungen für Wärmepumpen gibt es?

Wer sich eine Wärmepumpen anschaffen möchte, sollte sich mit den verschiedenen Förderungen auseinandersetzen. Die KfW bietet unterschiedliche Kredite und Zuschüsse an, für die nur geringe Zinsen fällig werden. Damit möchte die staatseigene Bank den Ausbau von erneuerbaren Energien fördern.

Eine weitere Förderung gibt es vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) für gasbetriebene Wärmepumpen. Bei der Förderung der BAFA ist entscheidend, wie effizient die Wärmepumpe arbeitet (siehe dazu oben: Jahresarbeitszahl). Mehr dazu finden Sie in der folgenden Übersicht:

Förderübersicht Wärmepumpe (Basis-, Innovations- und Zusatzförderung)

Quellen:
Wärmepumpe.de
myimmo.de
CO2online.de
Mut zum Wechseln.de

EEG-Umlage könnte 2015 erstmals sinken

Seit Jahren ächzen Verbraucher unter steigenden Stromkosten. Daran ist auch die Ökostrom-Umlage aufgrund des Gesetzes für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG) schuld. Diese könnte jedoch ab Januar erstmals seit ihrer Einführung geringer ausfallen als im Vorjahr.

Die Ökostrom-Umlage wird aller Voraussicht nach im kommenden Jahr erstmals sinken. Anfang August befand sich auf dem Umlage-Konto ein Überschuss von mehr als 1,5 Milliarden Euro. Im Vorjahr war auf dem Konto Anfang September bereits ein Defizit von 2,3 Milliarden Euro gewesen. Die genaue Umlagenhöhe wird auf Basis des Kontostands Ende September berechnet. Genaue Prognosen sind daher nicht möglich, ein Rückgang der Umlagenhöhe gilt jedoch als gewiss. Verbraucher können damit auf einen Rückgang oder wenigstens eine Stabilisierung der Stromkosten hoffen. Am 15. Oktober wird die genaue Höhe der EEG-Umlage für 2015 von den für die Verwaltung des Kontos zuständigen Übertragungsnetzbetreibern bekannt gegeben.

EEG-Umlage: Verbraucher zahlen die Energiewende

Noch 2010 lag die EEG-Umlage bei 2 Cent, im Laufe der letzten Jahre war sie auf zuletzt 6,24 Cent je Kilowattstunde hochgeklettert. Über den Strompreis tragen die Verbraucher die Förderkosten für erneuerbare Energien. Derzeit macht die Umlage 18 Prozent des Strompreises aus. Aus dem Fördertopf wird die Differenz zwischen dem Marktpreis für Strom und dem über 20 Jahre garantierten festen Vergütungssatz für Ökostrom abgedeckt. Aufgrund des rasanten Ausbaus der Kapazitäten für Strom aus erneuerbaren Energien ist mit der Menge an produziertem Ökostrom auch die Höhe der Umlage stark angestiegen. Patrick Graichen, Vorsitzender der Berliner Energie-Denkfabrik „Agora Energiewende“, sagte gegenüber der FAZ: „Nach unserer Schätzung wird die EEG-Umlage 2015 bei voraussichtlich rund sechs Cent pro Kilowattstunde liegen, also leicht unter dem Wert für dieses Jahr.“

Gabriel profitiert von düsterem Sommer

Der derzeitige Überschuss ist dabei nicht etwa der vor der Sommerpause verabschiedeten EEG-Reform zu verdanken, sondern ist auf einen Puffer zurückzuführen. Dieser war aufgrund des Anstiegs der Vorjahre als sogenannte Liquiditätsreserve von den Übertragungsnetzbetreibern eingeführt worden. Auch wenn die sonnenreichsten Monate August und September das Plus auf dem EEG-Konto noch etwas mindern werden, sind die insgesamt eher geringen Sonnenstunden  des Jahres und die gesunkenen Preise für Solaranlagen für den Überschuss verantwortlich. Von vielen wird der Rückgang der Umlage jedoch vermutlich auf die Maßnahmen des Energieministers Sigmar Gabriel zurückgeführt werden.

Quellen:
Der Spiegel
Tagesspiegel
FAZ

Amerikas unterschätzte Energiewende

Die USA gelten als verschwendungssüchtige Konsumliebhaber, Erfinder des Fracking und ignorante Klimasünder. In der Tat führen die Vereinigten Staaten von Amerika die Liste der größten Treibhausgas-Emittenten hinter China an. Allerdings sind die USA klammheimlich dabei, ihre Umweltstatistiken aufzupolieren und ein grünes Gewissen zu entwickeln. Die erneuerbaren Energien wachsen in beachtlicher Geschwindigkeit und schaffen auf lange Sicht einen zukunftsfähigen Markt, der einen alternativen Weg zum deutschen stark subventionsabhängigen Modell darstellt.

Ökostrom als Wachstumsmarkt

Im bisherigen Jahresverlauf haben die regenerativen Energiequellen einen größeren Zuwachs zu verzeichnen als fossile. Im Jahr 2012 wurde ein neuer Rekord an zugebauten Windkraftanlagen aufgestellt, und auch die Solarindustrie konnte ihre Installationen 2011 und 2012 vervielfachen. In den vergangenen zehn Jahren wuchs die Solarkapazität in den Vereinigten Staaten um den Faktor 130 auf mittlerweile 13.000 Megawatt. Dabei verzichten die USA auf einheitliche Subventionierung, aber fast alle Bundesstaaten fördern mit eigenen Programmen den Zubau grüner Energie. Ökostrom-Anlagen werden, anders als stellenweise in Deutschland, nur dort installiert, wo die Standortbedingungen entsprechend gut sind. Im „Windgürtel“ beziehen Staaten wie South Dakota und Iowa bereits mehr als 20 Prozent ihres Strombedarfs aus Windenergie. Sonnenreiche Staaten wie Arizona, Kalifornien oder Colorado setzen eher auf Sonnenkraft.

Punktuelle Finanzspritzen statt Gießkannenprinzip bei Erneuerbaren Energien

Insgesamt ist der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in den letzten zehn Jahren von 4,1 auf 12,9 Prozent gewachsen. Damit liegt der Ökostrom-Anteil noch weit hinter Deutschland, allerdings verläuft der Umsteig bisher ohne zusätzliche Belastungen für Verbraucher. Dank des hierzulande umstrittenen Fracking-Booms gibt es in den USA günstiges Gas im Überfluss, das die Strompreise niedrig hält. Auch die maßvolle Subventionierung hat einen Kostensprung bisher verhindert. Natürlich ist der Verlass auf unsichere Technologien wie Fracking und Atomstrom aus deutscher Perspektive fragwürdig, doch mit dem steigenden CO2-Ausstoß aufgrund des Rückgriffs auf Kohleenergie in ökostromarmen Zeiten haben auch die Deutschen keine weiße Weste beim Thema Umweltschutz.

Klimapolitik USA: Machtkampf tobt beim Klimaschutz

Politisch herrscht beim Thema Energiewende und Klimaschutz nach wie vor Uneinigkeit in Washington. Das US-Parlament blockiert seit Jahren jegliche Vorstöße, sodass der Präsident mittlerweile eigene Wege sucht, um Klimapolitik durch die Hintertür über Ministerien und die Umweltbehörde EPA zu machen. Im Juni verkündete Barack Obama zusammen mit der EPA die ersten verbindlichen Regeln für die Reduktion der CO2-Emissionen von Kohlekraftwerken. Aktuellen Berichten zufolge plant er zudem einen neuen internationalen Klimavertrag, in dem sich die Unterzeichnerstaaten keinen verbindlichen Emissionszielen unterwerfen sondern eigene Zielsetzungen für den Klimaschutz verfolgen.

Während in Deutschland die Bundesregierung den Takt der Energiewende vorgibt, kommt der Wille zum Umwelt- und Kimaschutz in den USA eher von unten. Bundesstaaten, Counties und Kommunen gründen immer mehr Initiativen und leiten letztlich die Wende ein, der sich der US-Kongress noch verwehrt. Im Vordergrund entsteht so das Bild der ignoranten Amerikaner, die jegliche Vorstöße zum Thema Klimaschutz ablehnen. Im Hintergrund wird fleißig an einer Zukunft mit erneuerbaren Energieträgern gearbeitet. Die USA gehen einen mühsamen Weg, aber auch sie schaffen Arbeitsplätze und sind auf der Suche nach neuen Technologien. Diese Energiewende setzt auf Marktprinzipien und ist somit vielleicht eher durchdacht, als das deutsche Ökostrom-Reform-Chaos; in jedem Fall ist das Modell für die Verbraucher günstiger.

Quellen:
Wirtschaftswoche
The European
Spiegel
Die Zeit
Südwestrundfunk

RWE stellt Schadensersatzforderung

Seit Monaten tobt ein Kampf um die Frage, wer die Kosten für den Atomausstieg zu tragen hat. In einem neuen Anlauf fordert RWE Schadensersatz aus der öffentlichen Hand für das dreimonatige Atommoratorium.

RWE hat am vergangenen Montag eine Schadensersatzforderung gegen den Bund und das Land Hessen eingereicht. Der zweitgrößte Versorger Deutschlands verlangt nach Branchenschätzungen rund 200 Millionen Euro aus Steuerkassen wegen der Gewinnausfälle während des dreimonatigen Moratoriums nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Nur sieben Tage nach dem Atomunfall am 11. März 2011 hatte die damalige hessische Landesregierung die Abschaltung der beiden Reaktoren in Biblis angeordnet.

Rechtswidriges Vorgehen bei Biblis-Abschaltung

Die Klage des Energiekonzerns begründet sich auf zwei Urteilen der Verwaltungsgerichte aus diesem Jahr. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof und das Bundesverwaltungsgericht hatten Anfang des Jahres die befristete Betriebsuntersagung der Meiler im südhessischen Biblis für rechtswidrig erklärt. Auf Beschluss des Moratoriums durch deutsche Bundespolitiker erhielten die Betreiber der sieben ältesten Atomkraftwerke ein Schreiben der Landesaufsichtsbehörden mit einer „Anordnung der einstweiligen Betriebseinstellung“. Aufgrund des Gefahrenverdachts gegen ältere Meiler müsse eine neue Bewertung über die Sicherheit der Kraftwerke vorgenommen werden. Im Sommer 2011 wurde die endgültige Abschaltung der betroffenen Kraftwerke beschlossen.

Teurer Verfahrensfehler

Im Gegensatz zu Betreibern in anderen Ländern war RWE jedoch keine formale Anhörung eingeräumt worden. Dadurch wurde das Vorgehen Hessens für nicht rechtsgültig erklärt. Dieser Fehler könnte dem Bundesland teuer zu stehen kommen. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums erklärte hingegen, es seien keine berechtigten Ansprüche von RWE gegen den Bund zu erkennen. Dennoch werden RWE und andere Versorger auch weiterhin versuchen, die Kosten für den Atomausstieg auf die öffentliche Hand abzuwälzen.

Quellen:
Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Rundschau
Klimaretter.Info

Russland: Erhöhung der Energiepreise

Russland reagiert auf die Wirtschaftssanktionen des Westens seinerseits mit der Androhung von Repressalien. Europa reagiert gelassen auf die Aussicht auf steigende Energiepreise und sieht sich am längeren Hebel.

Moskaus Außenminister zeigte in der vergangenen Woche wenig Verständnis für die EU-Sanktionen und bezeichnete sie als „unbedachter, unverantwortlicher Schritt“, der zwangsläufig einen Preisanstieg auf dem europäischen Energiemarkt zur Folge haben würde. Außerdem würden auch in Russland tätige Banken sowie Obst- und Gemüseexporteure aus der Europäischen Union mit negativen Konsequenzen zu rechnen haben.

Erhöhung der Energiepreise:Putins leere Drohung

Die Ankündigung bezüglich der steigenden Energiepreise ist zwar ernst zu nehmen, allerdings besteht nach Einschätzung von Experten und Politikern derzeit keine konkretes Risiko, dass die Drohung in die Tat umgesetzt wird. Vor dem internationalen Schiedsgericht wäre ein Bruch der langfristigen Lieferverträge insbesondere für Erdgas schwer zu verteidigen. Allerdings hat Russland in der Vergangenheit bei Gaskonflikten bereits mehrfach der Ukraine den Gashahn zugedreht. Der Kreml tendiert zu Taten, statt viele Worte zu verlieren.

Ein Lieferstopp würde Europa insbesondere beim Erdgas empfindlich treffen. Während Rohöl und verarbeitete Rohölprodukte wie Diesel noch einigermaßen problemlos von anderer Stelle bezogen werden können, deckt die Europäische Union rund ein Drittel ihres Erdgasbedarfs aus Russland. Eine Preiserhöhung würde in erster Linie die deutsche Industrie treffen, die rund 40 Prozent der Lieferungen verbraucht aber nur geringe Netzabgaben und Steuern zahlt. „Die Gaseinkaufspreise mancher Betriebe würden fast im Verhältnis 1:1 mit den Importkosten steigen“, vermutet Energiemarktexperte Steffen Bukold. Die Verbraucher wären durch die Gegensanktionen weniger stark betroffen, da bei ihnen die Importpreise nur ein Drittel der Gesamtkosten ausmachen. Doch auch sie wären von den Folgen nicht ganz ausgenommen.

Feuer mit Feuer bekämpfen

Energiekommissar Günter Oettinger demonstrierte angesichts der Drohungen Gelassenheit und wies im ARD-Morgenmagazin auf die Abhängigkeit Russlands von den Importeinnahmen hin: „ Die Russen haben Milliarden in Gasleitungen investiert. Wenn sie leer stehen, machen sie auch damit keine Geschäfte.“ Er glaube, dass die Verträge eingehalten würden, da eine wechselseitige Abhängigkeit bestehe. Dennoch könne die Europäische Union im Zweifelsfall zunächst auch ohne russische Erdgaslieferungen auskommen und seinen Bedarf mit Ressourcen aus Norwegen oder Algerien decken.

Die Europäische Union und die USA hatten zu Beginn der vergangenen Wochen die verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Russland als Reaktion auf das Referendum auf der Krim und eine drohende Annexion durch Russland verschärft. Die Strafmaßnahmen sind harte Schläge gegen die schwächelnde Wirtschaft Russlands und sollen Präsident Putin dazu bewegen, die Unterstützung für pro-russische Aktivisten in der Ukraine einzustellen.

Quellen:
http://www.handelsblatt.com/politik/international/nach-eu-sanktionen-russland-droht-mit-energiepreis-schock/10272094.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gaspreisschock-risikoanalyse-von-russlands-drohung-a-983801.html
http://www.klimaretter.info/politik/nachricht/16932-qeuropa-sitzt-am-laengeren-hebelq

Wechsel zu Ökostromanbietern lohnt sich

Ökostrom galt lange als teure Luxusenergie, die sich nur überzeugte Naturschützer und abgehobene Millionäre leisten konnten oder wollten. Doch in den letzten Jahren sind das Umweltbewusstsein und die Zahl der Grünstromkunden gestiegen. Bezogen 2010 noch acht Prozent der Haushalte in Deutschland Ökostrom, stieg der Anteil bis 2013 auf rund 20 Prozent an, ohne dass dies zwangsläufig mit höheren Stromrechnungen einhergeht. Häufig sind Ökostromtarife günstiger als der regionale Grundversorgungstarif, den jedoch ein Großteil der Bundesbürger nach wie vor bezieht.

Eine Studie des Bündnisses „Atomausstieg selber machen“ ergab, dass in 89 Prozent der 72 untersuchten Großstädte mindestens einer von den vier unabhängigen Ökostromanbietern mit Sitz in Deutschland günstiger war als die Grundversorgung. Der Wechsel zu einem der Ökostromanbieter konnte je nach Standtort Ersparnisse zwischen 13 und 83 Euro pro Jahr ergeben. Neben der Einsparung können sich die Kunden bei der Wahl des richtigen Anbieters sicher sein, aktiv an der Förderung und dem Ausbau von Ökostrom beteiligt zu sein. Allerdings gibt es bei der Auswahl des Ökostromanbieters einiges zu beachten, wenn man sicherstellen möchte, dass die Umwelt vom Anbieterwechsel tatsächlich profitiert.

Gewusst wie – Augen auf bei der Wahl des Anbieters

Wer tatsächlich einen Beitrag zum Ausbau der Ökostromproduktion beitragen möchte, sollte darauf achten, dass der Ökostromanbieter einen festen Betrag des Geldes in den Bau neuer Anlagen investiert. Da Strom aus erneuerbaren Energien in Deutschland Einspeisevorrang hat, wird durch die Zunahme von produziertem Ökostrom der konventionelle Strom langsam vom Markt verdrängt. Darüber hinaus gibt es einige Anbieter von Ökostrom, die seit ihrer Gründung keinerlei Verflechtungen mit der Kohle- und Atomindustrie haben. In Deutschland gehören dazu Greenpeace Energy, Lichtblick, EWS Schönau oder Naturstrom. Wer hingegen zu dem etwas günstigeren Ökostromtarif eines großen Stromkonzerns wechselt, finanziert häufig durch seine Energiezahlungen den Betrieb von Atom- oder Kohlekraftwerken mit, die mittlerweile wegen des großen Ökostromangebots auf dem Energiemarkt nicht mehr rentabel betrieben werden können.

Durchblick im Dschungel der Zertifikate

Bei der Suche nach einem geeigneten Grünstromtarif können Label und Zertifikate Orientierung bieten. Allerdings gibt es auch hier Mogelpackungen, die Verbraucher in die Irre führen können. In der öffentlichen Kritik steht vor allem das europaweite RECS-System, „Renewable Energy Certificate System“. Die Grünstromzertifikate werden an umweltfreundliche Energieerzeuger vergeben. Diese  können ihre Zertifikate jedoch losgelöst vom Strom an Stromhändler verkaufen, die dadurch ihren konventionellen Strom „grünfärben“ können. Während der Stromhändler die über RECS-Zertifikate erworbene Menge an konventionellem Strom als Ökostrom etikettieren darf, muss der tatsächliche Ökostromproduzent seinen Grünstrom in gleicher Menge ebenfalls umbenennen und als „Schmutzstrom“ weiterverkaufen. Durch die Umetikettierung darf konventioneller Strom aus Atom- oder Kohlekraftwerken als Ökostrom an Verbraucher verkauft werden.

Weitere Ökostrom-Zertifikate sind weniger umstritten. Der TÜV Nord und Süd vergeben keine einheitlichen Zertifikate. Allein der TÜV Süd stiftet mit vier verschiedenen Kriterienmodellen Verwirrung; es gibt Zertifikate für Strom der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt beziehungsweise aus Wasserkraft, außerdem gibt es zwei Modelle der Zertifizierung, die auch Strom aus emissionsarmen Kraft-Wärme-Kopplung einbeziehen. Darüber hinaus lässt der TÜV RECS-Zertifikate zu und besteht nicht auf Reinvestitionen in den Ausbau von neuen Anlagen für erneuerbare Energien.

Das ok-Power Label hingegen wird nur vergeben, wenn durch den Ökostrom-Bezug neue Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien gebaut werden. Der Zertifizierung verläuft nach drei verschiedenen Modellen, allerdings ist am Zertifikat am Ende nicht ersichtlich, unter welches Kriterienmodell ein Produkt fällt. Obwohl der Verein, der hinter dem ok-power Label steht, sich aus der Verbraucherzentrale NRW, die Umweltstiftung WWF und dem Freiburger Öko-Institut zusammensetzte, werden auch hier RECS-Zertifikate zugelassen.

Das Grüner Strom Label hat noch höhere Anforderungen und wird ebenfalls von Umweltverbänden und darüber hinaus Friedensorganisationen getragen. Das Gold-Label wird nur an Strom verliehen, der  zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Auch RECS-Zertifikate werden nicht akzeptiert. Produkte mit dem Silber-Label können bis zur Hälfte Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen bestehen. Wie beim ok-Power Label müssen sich Träger des Zertifikats verpflichten, einen Cent je verkaufter Kilowattstunde in den Neubau von Ökostrom-Anlagen zu investieren.

Der Stromsee wird grüner

Neben den Aspekten, die auch für die Suche nach herkömmlichen Stromtarifen gelten, wie kurzen Mindestvertragslaufzeiten, kurzen Kündigungsfristen sowie der Vermeidung von Vorauszahlungen und Mindestabnahmemengen, kann auch die Art der Einspeisung als Auswahlkriterium herangezogen werden. Bei der mengengleichen Einspeisung, speist der Stromanbieter über das Jahr verteilt die Menge an grünem Strom in das Netz ein, die seine Kunden insgesamt verbrauchen. Nur bei der zeitgleichen Einspeisung ist jedoch weitestgehend garantiert, dass der Verbraucher die Stromerzeugung unterstützt, die in dem Strommix seines Anbieters vorgesehen ist, da der Stromanbieter die entsprechende Menge Grünstrom zeitgleich mit dem Verbrauch einspeist.

Dennoch kann auch bei der zeitgleichen Einspeisung nicht dafür gesorgt werden, dass Ökostromkunden tatsächlich nur sauber produzierten Strom beziehen. Sie werden nach wie vor aus demselben Stromsee mit einer Mischung aus unterschiedlichen Erzeugungsarten versorgt wie andere auch. Mit ihrem Wechsel zu einem Ökostromanbieter können Verbraucher allerdings dafür sorgen, dass der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien steigt und das Mischungsverhältnis im Stromsee sich verändert.

Quellen:
http://www.energiezukunft.eu/umwelt/wirtschaft/oekostrom-guenstiger-als-grundversorgung-gn10433/
http://www.welt.de/welt_print/finanzen/article8122820/Oekostrom-haeufig-guenstiger-als-Grundversorgertarif.html
http://www.oekostrom-anbieter.info
http://www.oekostrom-anbieter.info/oekostrom/der-stromsee.html
http://www.heise.de/tp/artikel/26/26671/1.html
http://www.strom-magazin.de/strommarkt/anteil-der-oekostromkunden-steigt-auf-20-prozent_32947.html

 

Gewinneinbußen bei Vattenfall

Vattenfall muss erneut Umsatzeinbußen im ersten Halbjahr hinnehmen. Der Energieriese kämpft mit der Ökostromkonkurrenz und den drohenden Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke.

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall muss im ersten Halbjahr 2014 erneut Gewinneinbußen hinnehmen. Das Betriebsergebnis liegt bei rund zehn Milliarden Schwedischen Kronen (1,1 Milliarden Euro), doch im zweiten Quartal ist der bereinigte Wert um ein Viertel es auf 4,1 Milliarden Schwedische Kronen (444 Millionen Euro) gefallen. Bei der Veröffentlichung der Zahlen erklärte Vorstandschef Øysten Løseth, die Gründe für den Rückgang seien eine schwache Nachfrage, die gefallenen Strom-Großhandelspreise und die Überkapazitäten an Kraftwerken. Dennoch ist der Konzerngewinn mit 5,9 Milliarden Kronen im ersten Halbjahr größer als im Vorjahr.

Erschwerte Marktbedingungen durch Energiewende

Durch den massiven Ausbau von Strom aus erneuerbaren Energien kämpfen alle großen Energiekonzerne mit den sinkenden Strom-Großhandelspreisen. Auch bei der Präsentation der Betriebszahlen Mitte August von Eon und RWE wird sich dies vermutlich widerspiegeln. Die schlechten Marktbedingungen können die gute Anlagenleistung und –verfügbarkeit nicht auffangen. „Leider bleibt die Nachfrage weiterhin gering und wir haben Überkapazitäten am Markt. Auch die Strom-Großhandelspreise fallen weiter und die CO2-Preise sind niedrig“, bedauert Øystein Løseth.

Vor allem die Rückstellungen für den Rückbau der drei deutschen Atomkraftwerke stellen eine Belastung für die Statistik des Konzerns dar. Die Betreiber sind verpflichtet, ausreichende Mittel für den sicheren Rückbau der Anlagen zur Seite zu schaffen. Allerdings kann derzeit niemand absehen, auf welche Höhe sich die Kosten belaufen werden. Daher hat Vattenfall seine Rücklagen im ersten Halbjahr um 5,5 Milliarden Kronen (0,6 Milliarden Euro) aufgestockt.

Løseth geht mit gutem Gefühl

Anfang Oktober wird Løseth seinen Posten nach dreieinhalb Jahren an der Konzernspitze an den früheren Chef des schwedischen Holz- und Papierkonzerns Holmen, Magnus Hall, übergeben. Der scheidende Präsident bleibt jedoch optimistisch: „Mit unserem Programm zur Reduzierung der Kosten, das auch weiterhin verfolgt wird, sind wir auf einem guten Weg.“ Ende des Jahres 2014 wird mit Kosteneinsparungen von 25 Prozent zum Vergleichsjahr 2010 gerechnet.

Quelle:
http://app.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/umsatzrueckgang-vattenfall-kaempft-gegen-die-krise/10238658.html
http://www.iwr.de/news.php?id=26740

Tesla ebnet den Weg ins Elektroauto-Zeitalter

Seit Jahren wird ein Boom der Elektromobilität versprochen, der bisher jedoch ausgeblieben ist. Der schleppend verlaufende Ausbau könnte nun jedoch Fahrt aufnehmen, weil der Elektro-Pionier Tesla seine Patente offenlegt, um die Entwicklung und Verbreitung von E-Autos voranzutreiben.

Tesla-Gründer Elon Musk verkündete letzte Woche auf dem Firmenblog, sein Unternehmen werde auf den Schutz seiner Patente verzichten, und die Technologie hinter dem vielfach gelobten Model S für die Automobilkonkurrenz zugänglich zu machen. Das Unternehmen werde keine Patentklagen gegen all diejenigen anstreben, die „in gutem Glauben unsere Technologie nutzen wollen“, so Musk, „Tesla wurde gegründet, um die Einführung nachhaltiger Mobilität zu beschleunigen.“ Die weitere Geheimhaltung der erfolgreichen Technik würde diesem Ziel entgegenstehen. Tesla hält insgesamt mehr als 160 Patente, die dem Konzern gegenüber der Konkurrenz einen großen Technologievorsprung insbesondere bei Batterien und der Reichweite von mit Strom betriebenen Fahrzeugen verschafft haben.

Zögerliches Interesse bei Autoherstellern

30 Jahre nach dem ersten Elektroauto kommt die Automobilbranche langsam in Bewegung. Während BMW in Gesprächen in der vergangenen Woche Kooperationsmöglichkeiten mit Tesla auslotete und Daimler mit vier Prozent an der Konkurrenz aus den USA beteiligt ist, kündigte auch Audi an, sich konkret mit den Bau von leistungsfähigen Elektroautos befassen zu wollen. Durch die Preisgabe der eigenen Technologie hofft der US-Autohersteller Tesla, die ernsthaften Bemühungen der Autohersteller-Konkurrenz zu forcieren und die Verbreitung von Elektroautos zu beschleunigen. Durch die Optimierung des Ladenetzes und ein höheres Bewusstsein und mehr Akzeptanz für Elektromobilität soll langfristig eine Absatzsteigerung erreicht werden.

Optimierung der unausgereiften Technik

Auch wenn der Markt von vielen mit großem Interesse verfolgt wird, sind Elektroautos bisher kaum verbreitet. Die Technik ist zu teuer und die nicht ganz unberechtigte Angst potenzieller Interessenten vor einer geringen Akkuleistung und Reichweite lassen viele noch vor dem Kauf zurückschrecken. Allerdings sind gerade in jüngster Zeit insbesondere bei dem Sorgenkind Batterie Fortschritte gemacht worden. Bis zu 5000 Ladezyklen überstehen die neuen Batteriemodelle unter optimalen Bedingungen, genug für etwa 300.000 Kilometer. Das derzeit unschlagbare Tesla Modell S kommt mit einer Batterieladung auf mindestens 400 Kilometer. Ein weiteres Problem stellt derzeit noch die mangelnde Infrastruktur da, doch es wird mit Hochdruck an dem Ausbau von Ladestationen gearbeitet. Außerdem entwickeln Forscher neue Ladestationen. Die Supercharger sollen die Akkus innerhalb einer halben Stunde aufladen.

Wachstumspotenzial für europäischen Markt

Während in Deutschland mit rund 12.000 Elektroautos nur knapp 0,03 Prozent des Fahrzeugbestands ausschließlich mit Elektrizität betrieben werden, ist der Anteil auf norwegischen Straßen weitaus höher. Die Elektroauto-Dichte ist dort fünfzig Mal so hoch, dank  einer verringerten Mehrwertsteuer auf elektrobetriebene Fahrzeuge, lokalen Sonderregelungen im Straßenverkehr, wie der Busspurbenutzung in Oslo, und einem im Gemeinwesen fest verankerten Nachhaltigkeitsbewusstsein. Die Hälfte des erklärten Regierungsziels Norwegens, bis 2018 rund 50.000 Elektro-Autos im Umlauf zu haben, ist bereits erreicht. Branchenexperten rechnen damit, dass es auf deutschen Straßen noch bis zu sieben Jahren dauern wird, bis reine Stromer in nennenswerter Stückzahl unterwegs sind.

Dennoch arbeitet vor allem Tesla mit Hochdruck an der Vergrößerung des europäischen Marktes. In diesem Jahr will der Konzern seinen Absatz verdoppeln, nachdem 2013 weltweit rund 24.000 Autos verkauft wurden. Doch rund drei Viertel des Absatzes werden derzeit in den USA gemacht. Durch den Bau einer gigantischen Batteriefabrik in den USA möchte der Konzern in die Massenfertigung einsteigen und so die Preise um dreißig Prozent reduzieren. Ab 2017 sollen jährlich so viele Lithiumionen-Batterien produziert werden, wie weltweit insgesamt bis 2013 hergestellt wurden. Tesla ist bereit für einen Massenmarkt, nur der Rest der Welt muss sich noch für den Aufbruch in die Zukunft rüsten.

Quellen:
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/schub-fuer-elektroautos-tesla-legt-seine-patente-offen/10036192.html
http://www.welt.de/wissenschaft/article129172248/Kommt-schon-bald-der-perfekte-Superakku.html
http://green.wiwo.de/aus-volkswagen-wird-voltswagen-warum-die-elektromobilitaet-eine-neue-aera-begruendet/
http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2014/06/63136/
http://www.pm-magazin.de/r/geschichte/e-auto-war-das-allererste-automobil

Brasilianisches Wirtschaftswunder mit Wasserkraft

Seit drei Wochen schaut die Welt auf Brasilien. Am Sonntag findet das Finale der Fußball Weltmeisterschaft in Rio de Janeiro statt und die Organisatoren können aufatmen, wenn das Spektakel ohne Stromausfall über die Bühne geht. Dank der massiven Nutzung von Wasserkraft ist Brasilien beinahe autark bei seiner Energieversorgung, allerdings nicht ohne Versorgungslücken. Die Regierung muss die instabile Energieversorgung dringend diversifizieren.

Brasilien ist der ökonomische Musterschüler Südamerikas und hat die Industriestaaten an der Weltspitze eingeholt. Das fünftgrößte Land der Welt hat in den letzten 20 Jahren ein kleines Wirtschaftswunder vollbracht und sich zur sechstgrößten Volkswirtschaft aufgeschwungen. Doch mit dem Wohlstand wächst auch der Energiehunger, sodass die energetischen Versorgungskapazitäten nicht mehr ausreichen. Dank der geographischen Gegebenheiten verfügt das Land jedoch über die größten Kapazitäten zur Wasserspeicherung weltweit. Dieses Potenzial bleibt nicht ungenutzt: Rund 80 Prozent des brasilianischen Stroms stammen aus Wasserkraft. Das Land ist beinahe energieautark.

Eine Energieform erreicht seine Grenzen

Was jedoch in der Statistik gut aussieht, ist auch mit massiven Problemen verbunden, weil die Stromerzeugung aus Wasserkraft extremen Schwankungen unterworfen ist und keine sichere Versorgung gewährleisten kann. Eine Dürreperiode im Jahr 2001 führte zu einer ausgewachsenen Stromkrise, die in Stromrationierungen mündete. Auch heute noch gehören jedes Jahr mehrere flächendeckende Stromausfälle über mehrere Stunden beinahe zur Normalität. Neben den Versorgungslücken werfen auch die ökologischen Folgen von den zahlreichen Staudämmen für Mensch und Umwelt Fragen auf. Seit 2004 besteht daher mit dem Proinfa-Projekt ein Programm zur Förderung weiterer erneuerbarer Energiequellen, doch bis heute trägt neben Wasserkraft nur Biomasse einen größeren Anteil bei der Stromerzeugung.

Ungenutztes Ökostrompotenzial

Trotz der geographisch sehr guten Bedingungen für Wind- oder Solarenergie spielen sie in der Energiepolitik nur eine untergeordnete Rolle. Die Gründe liegen neben dem Fokus auf einen schnellen Ausbau und den Bemühungen, nur eigene Energieträger und Anlagen aus Eigenproduktion zum Einsatz kommen zu lassen, häufig beim Preis für Wind- und Solarenergie. Die Kosten sind insbesondere für Photovoltaikanlagen in den letzten fünf Jahren zwar deutlich zurückgegangen, doch im freien Markt ohne Subventionen und Einspeisevergütung ist diese Form der Stromerzeugung trotz hoher Sonneneinstrahlung nicht wettbewerbsfähig.

Dennoch besteht Hoffnung auf eine vergleichbare Entwicklung wie bei der Windkraft. Ihr Marktanteil ist zuletzt in Folge von vermehrten Spezialauktionen durch das Energieministerium auf knapp zwei Prozent angestiegen. Das Potenzial von Windenergie ist in Brasilien besonders groß, weil sich die saisonalen Schwankungen optimal mit den Trockenperioden der Wasserkraft ausgleichen. Ein ähnliches Fördermodell könnte auch die Solarenergie voranbringen. Bisher verfügt Brasilien über gerade einmal acht Solarparks – die meisten sind Pilot- oder Forschungsprojekte. Doch die von der Regierung angestrebte Dezentralisierung bietet große Chancen für Solarstrom. Noch immer können nur 63 Prozent der gewonnen Energie tatsächlich genutzt werden. Rund 37 Prozent gehen unter anderem auf den langen Transportwegen durch veraltete Stromleitungen verloren. Das Thema Energieeffizienz wurde bisher stark vernachlässigt. In einem ersten Schritt in Richtung Dezentralisierung genehmigt Brasilien Kleinerzeugern seit 2012 überschüssigen Strom im Austausch gegen spätere Stromlieferungen ins Netz einzuspeisen.

Erfolgsmodell Biosprit

Ein anderes Projekt hingegen, das sich in Deutschland bis heute nicht durchsetzen konnte, gehört in Brasilien schon lange zum Alltag. Seit mehr als 25 Jahren wird dem Benzin Ethanol beigemischt, vor einigen Jahren wurde der Wert gesetzlich auf 25 Prozent festgesetzt. Fast die Hälfte der benötigten Treibstoffenergie stammt aus Zuckerrohr. Im Gegensatz zu Deutschland sind fast alle Fahrzeuge in Brasilien mit einer Motorentechnologie ausgestattet, die Probleme mit der Verträglichkeit des Biosprits verhindern. Die Einführung des umweltfreundlichen Kraftstoffs war in Deutschland 2011 mit großen Hoffnungen verbunden gewesen. Doch im Gegensatz zum Vorreiter Brasilien wird Biosprit hierzulande bisher kaum angenommen.

Unverständnis für Prioritäten der Regierung

Trotz einiger positiver Ansätze geht die brasilianische Regierung grundsätzlich nur zögerlich an neue Energieformen heran. Im Juni 2013 erklärte Präsidentin Dilma Rousseff, dass Brasilien auf neue Kohle- und Gaskraftwerke setzen werde, da künftig erneuerbare Stromquellen stärker genutzt werden sollen. Weil weder Wasser- noch Wind- oder Solarenergie speicherbar seien, und daher keine stabile Stromversorgung garantieren könnten, sei der Ausbau fossiler Kraftwerke notwendig. Diese Begründung löste angesichts der beinahe idealen Speichersituation des Landes dank zahlreicher Staudämme in Fachkreisen allgemeine Irritation aus.

Trotz des unausgeschöpften Potenzials der Energiegewinnung und der einseitigen Konzentration auf den Ausbau von Wasserkraft sieht Brasilien sich als Vorreiter für eine umweltfreundliche Energiepolitik. Die Probleme werden gerne verschwiegen. Zahlreiche Demonstrationen von der Bevölkerung im Vorjahr und im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft zeigen jedoch die Unzufriedenheit der Bürger mit ihrer Regierung. Die dringend benötigten Investitionen wurden zuletzt eher in das Prestigeprojekt der FIFA gesteckt. Wenn der Weltmeisterschaft am Wochenende der Schlusspunkt gesetzt wird, winkt mit den Olympischen Sommerspielen 2016 allerdings schon das nächste Investitionsvorhaben.

http://www.energieagentur.nrw.de/_database/_data/datainfopool/2012-06%20BRAS%20EE%20u%20EF%20AHK%20GIZ%20Info.pdf
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-08/amazonas-staudamm-brasilien-energie  
http://www.dw.de/solarstrom-in-brasilien/a-16315554
http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/maerkte,did=587814.html
http://www.bpb.de/internationales/amerika/brasilien/wirtschaft/185301/woher-nimmt-brasilien-seine-energie
http://www.pnp.de/nachrichten/bayern/79297_Brasilianer-tanken-seit-25-Jahren-Biosprit-ohne-Probleme.html
http://www.autozeitung.de/auto-news/biosprit-kraftstoff-e10-deutschland-resonanz

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