Seit der Insolvenz des Billigstromanbieters Flexstrom schlagen die Wellen hoch und eine Diskussion ist von Neuem entbrannt, die schon nach der TelDaFax-Pleite 2011 begann. Es geht um die Frage, wie viel Vertrauen Verbraucher den Billigstromanbietern entgegenbringen sollten. Denn insbesondere bei diesen häufen sich die Kundenbeschwerden.
Erst zum Jahresbeginn wurde der Strompreis von durchschnittlich 26 Cent je Kilowattstunde um rund 3,3 Cent angehoben. Angesichts der Entwicklung der Preise sehen sich immer mehr Verbraucher nach alternativen Stromanbietern um, und wechseln nicht selten zu den Unternehmen, die die niedrigsten Preise anbieten und in vielen Anbietervergleichsportalen auf den vorderen Plätzen zu finden sind.
Geschäftsmodell in der Kritik
Das Geschäftsmodell vieler Strom-Discounter beruht auf Vorauszahlungen der Kunden. Dieses System kann jedoch nur funktionieren solange die Unternehmen wachsen. „Viele Billigstromanbieter machen im ersten Vertragsjahr zunächst keinen Gewinn, bitten den Kunden aber in den Folgejahren kräftig zur Kasse“, sagt Andreas Stender, Principal bei A.T. Kearney. Volker Lang spricht diesem Geschäftsmodell eine langfristige Wirtschaftlichkeit ab.
Die Anzeichen, dass Flexstrom mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfte, hatten sich schon seit dem Jahr 2011 gemehrt. Immer mehr Kunden und Netzbetreiber hatten an verschiedenen Stellen Beschwerden über ausstehende Rechnungen und Zahlungsverspätungen eingereicht, sodass die Bundesnetzagentur im Januar 2013 Ermittlungen gegen den Billiganbieter aufnahm und zum Zeitpunkt der Insolvenz von Flexstrom kurz davor stand, dem Unternehmen ein Verbot für das das Vorauskasse-System auszusprechen. Dieses Verbot soll nun jedoch nicht generalisiert und auf andere Anbieter übertragen werden.
Zahlreiche Beschwerden über Billiganbieter
Folglich prophezeit das manager-magazin jüngst „Die nächste Pleite kommt bestimmt“. Denn in Internetforen und Portalen melden sich immer mehr Verbraucher mit Beschwerden über einbehaltene Bonuszahlungen oder versteckte Preiserhöhungen ihrer Stromanbieter. Auch bei der Schlichtungsstelle Energie gingen im vergangenen Jahr 13.681 Anträge ein, von denen sich rund 57% auf nur zwei Unternehmen beziehen. Die Schlichtungsstelle ist zwar nicht dazu befugt, Namen zu veröffentlichen, doch nach Informationen der Wirtschaftswoche sollen seit Jahresbeginn vor allem die Anzahl der Beschwerden über den Anbieter Almado Energy angestiegen sein. Auch die Rechtsanwälte der Frankfurter Kanzlei Elixir sind aufgrund zahlreicher Anfragen auf das Unternehmen aufmerksam geworden und führen auf ihrer Homepage eine Liste von Beschwerden auf.
Neben Alamdo Energy macht jedoch auch der Billigstromanbieter ExtraEnergie in den letzten Monaten vermehrt negativ auf sich aufmerksam: Kunden klagen über verspätete Jahresrechnungen und ausstehende Neukundenboni. Die mangelnden Serviceleistungen des Unternehmens werden in der Studie „Bester StromFAIRsorger“ von FOCUS MONEY aus dem Oktober 2012 bestätigt. Mit nicht einmal 40 von 100 möglichen Indexpunkten bildet der Energieversorger das Schlusslicht der Studie und erhielt von den Verbrauchern die schlechtesten Bewertungen in den Kategorien „Fairer Kundenservice“ und „Nachhaltigkeit und Verantwortung“.
Markt setzt auf Eigenverantwortlichkeit der Verbraucher
Die Pleite von Flexstrom kündigte sich bereits Monate im Voraus durch vermehrte Kundenbeschwerden an, rund ein Viertel aller eingegangenen Anträge bei der Schlichtungsstelle Energie sollen auf den insolventen Energieversorger zurückgegangen seien. Trotz der Häufung von Kundenbeschwerden und der zweiten großen Pleite eines Energiediscounters innerhalb von zwei Jahren rechnen Branchenexperten jedoch nicht damit, dass in nächster Zeit ein Verbot des Vorkassemodells oder die Offenlegung der Anbieter, die am häufigsten in Schlichtungsfälle involviert sind, durchgesetzt werden. Dementsprechend müssen Kunden weiterhin abwägen, ob sie gewillt sind, mit den verlockenden Angeboten der Stromdiscounter das damit verbundene Risiko einzugehen.
Quellen:
http://www.focus.de/finanzen/news/studie-bester-stromfairsorger_aid_830858.html
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/0,2828,895093,00.html
http://www.n-tv.de/ratgeber/Hitstrom-und-Co-machen-Aerger-article5956811.html
http://www.wiwo.de/unternehmen/energie/strom-riskantes-geschaeftsmodell/8090516-2.html
http://www.zeit.de/2013/18/stromanbieter-flexstrom-insolvenz
http://www.zeit.de/2012/50/Energieversorgung-Stromanbieter-Flexstrom/
Tätigkeitsbericht der Schlichtungsstelle Energie 2012: http://www.schlichtungsstelle-energie.de/fileadmin/images_webseite/pdf/Taetigkeitsbericht_der_Schlichtungsstelle_Energie__1_.pdf